August 21, 2021

„UMBAUEN UND NEU NUTZEN IST BESSER ALS ABREISSEN" - Der Runde Tisch - Süddeutsche Zeitung

Eine nachhaltige Immobilienentwicklung ist notwendig für die Erreichung ehrgeiziger Klimaschutzziele. Nicht nur bei Neubauten, sondern vor allem im Bestand sind Architekten, Planer und Bauwirtschaft gefordert.
[Picture: The Point of View Photography]

Auszug aus dem Artikel

Herr Professor Blandini, Sie bilden an Ihrem Institut Studierende im Leichtbau aus und sind selbst in einem für nachhaltiges Bauen bekannten Ingenieurbüro tätig. Wie bekommen wir die Wende zu mehr Nachhaltigkeit schnell und sozialverträglich hin?

Lucio Blandini – Der erste Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit besteht darin, die Umnutzung von Immobilien zu verbessern und dadurch ihre Lebenszeit zu verlängern. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist ein Abriss oft die schlechtere Alternative und sollte vermieden werden. Eine zweite Möglichkeit ist das sogenannte Urban Mining, das heißt die Wiederverwendung von Materialien und Produkten, die bei Abriss oder Umbau von Gebäuden anfallen. Wir haben unlängst ein Projekt realisiert, das zu einem großen Teil aus Recycling-Materialien besteht –, die Experimentalunit UMAR im Schweizer NEST-Campus. Ein dritter Ansatzpunkt ist die frühzeitige Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensdauer von Bauelementen. Wie kann man so bauen, dass einzelne Elemente mittels leicht lösbarer Verbindungen schnell und einfach ausgebaut und ausgetauscht werden können? Das betrifft bei Neubauten den konstruk-tiven Bereich, bei Bestandsbauten die Verlegung von neuen Leitungen und Systemen für die Haustechnik. Hier sind kreative Lösungen gefragt, denen jedoch oft eine Vielzahl an Normen und Regularien im Weg stehen. Es wäre besser, in den Bauvorschriften Ziele zu definieren und den Weg dorthin offen zu lassen, ohne gleich jedes Detail reglementieren zu wollen. Bei den Materialien geht es vor allem darum, die jeweiligen Eigenschaften sinnvoll zu nutzen.

 

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