In memoriam: Jürgen Hennicke
Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von Jürgen Hennicke, einem langjährigen und prägenden Mitarbeiter des Instituts für Leichte Flächentragwerke (IL) und späteren Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart.
Jürgen Hennicke war über viele Jahrzehnte als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Leichte Flächentragwerke tätig. Als engagierter Ingenieur und ausgewiesener Membranleichtbauer hat er die Entwicklung des textilen Bauens am Standort Stuttgart maßgeblich mitgeprägt. Sein besonderes Interesse galt der konstruktiven Durchbildung, der materialgerechten Formfindung sowie der präzisen Umsetzung von Membrantragwerken – stets im Spannungsfeld zwischen Entwurf, Berechnung und Realisierung.
Mitwirkung in wegweisenden Sonderforschungsbereichen
Bereits früh in seiner Tätigkeit prägte Jürgen Hennicke die Forschung im Bereich der leichten Flächentragwerke. Er engagierte sich im Sonderforschungsbereich 64 „Weitgespannte Flächentragwerke“ an der Universität Stuttgart, einem interdisziplinären Forschungsverbund, der die Grundlagen weitgespannter, effizienter Tragstrukturen erforschte und deren konstruktive Möglichkeiten erweiterte.
Später setzte er seine Expertise auch im Sonderforschungsbereich 230 „Natürliche Konstruktionen“ ein, der sich aus einer interdisziplinären Perspektive mit tragenden Strukturen in Natur und Technik auseinandersetzte und damit methodische Impulse für das konzeptionelle Verständnis leichter Tragwerke gab.
In beiden Forschungsverbünden verband Jürgen Hennicke sein profundes konstruktives Wissen mit einem weiten Blick auf interdisziplinäre Fragestellungen – immer mit dem Ziel, konzeptionelle Innovationen in tragender Architektur und Ingenieurbau voranzutreiben.
Membranleichtbau als Haltung
Für Jürgen Hennicke war der Membranleichtbau nicht nur ein technisches Fachgebiet, sondern eine Haltung: ressourcenschonend, materialeffizient und konstruktiv klar. Er verstand es, die Prinzipien des Leichtbaus konsequent umzusetzen – vom Detail bis zur Gesamtstruktur. Zahlreiche Projekte, an denen er beteiligt war, zeugen von seinem hohen gestalterischen und technischen Anspruch.
International war er als Experte für Membrantragwerke anerkannt. Seine Beiträge auf Fachtagungen, seine Seminare sowie seine beratende Tätigkeit fanden weit über Deutschland hinaus Beachtung.
Engagement in der Lehre
Über viele Jahre hinweg hat Jürgen Hennicke Seminare und Lehrveranstaltungen im Bereich Membran- und Leichtbau durchgeführt. Generationen von Studierenden profitierten von seinem Erfahrungsschatz, seiner Genauigkeit und seiner Begeisterung für das Bauen mit Stoff.
Sein Unterricht war geprägt von fachlicher Tiefe, konstruktiver Stringenz und einer großen Offenheit im Dialog. Er verstand es, junge Architektinnen, Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure für das Prinzip des Leichtbaus zu begeistern und ihnen zugleich die notwendige konstruktive Disziplin zu vermitteln.
Mit Jürgen Hennicke verlieren wir einen hochgeschätzten Kollegen, einen engagierten Forscher und Lehrer, einen guten Freund sowie eine Persönlichkeit, die das Institut über viele Jahre hinweg mitgeprägt hat.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.